Viel passiert

Seit meinem Zusammenbruch vor gut einer Woche, überschlagen sich die Ereignisse. Das Valium hat mir die ersten Nächte gut geholfen. Ich konnte wieder etwas schlafen. Meist so 4 Stunden. Montag waren wir bei dem Neurologen, den mein Hausarzt für mich ausgesucht hat, und ich muss sagen:“ 1a“!!! Er geht jetzt der Sache auf den Grund. Klar, Körper und Psyche spielen zusammen, ABER… Nur weil die Psyche bei mir „im Arsch“ ist, heißt das nicht, dass nicht doch eine Neurologische Grunderkrankung da ist. Das hat er ganz klar gesagt. Er sagte, er mag es gar nicht, das Patienten mit bekannter psychischer Vorerkrankung, einen „Stempel“ bekommen. Er nimmt mich an die Hand und als Patientin auf. ( Von dem anderen Neurologen hätte er übrigens auch schon „Gehört“…. *zwinker*) Nächste Woche haben wir schon den nächsten Termin. Es wird jetzt alles neurologisch abgeklärt und dann sehen wir weiter. Und ja, ich darf meine Medikation natürlich so bei behalten. Wenn was umgestellt werden sollte, dann nur in Absprache mit den anderen Ärzten UND mit MIR! Er ist nicht nur Neurologe, sondern auch Psychiater. ABER, er meint auch, das ich, da ich ja sehr zufrieden mit meinem Psychiater bin und da das volle Vertrauen herrscht, bei meinem Psychiater ruhig bleiben soll. „Viele Köche, verderben den Brei“. Er will sich da nicht einmischen. Lediglich in den Austausch mit meinen behandelnden Ärzten gehen. Ich fühle mich angenommen, akzeptiert und ERNSTGENOMMEM!!!!!!!!! Sein Verdacht, was das den einen Tag war: Fokaler epileptischer Anfall. Spricht vieles für, da ja nur der eine Arm betroffen war und ich nicht gänzlich „abgeschossen“ war, sondern noch etwas reagieren konnte. Aber wie gesagt, jetzt werde ich neurologisch erstmal auf links gekrempelt und dann Schritt für Schritt.

Es kommt viel auf mich und meinen Mann zu. Ich habe Angst. EINE SCHEIß A N G S T !!!

Nächste Woche habe ich auch wieder Therapie. Habe gestern mit meinem Psychiater kurz telefoniert, weil ich ja gern meinen Mann mitnehmen wollte, damit endlich alles auf den Tisch kommt, ich es aber allein nicht schaffe alles zu erzählen. Und ja, mein Mann möchte das auch 😉 … Ist auf jeden Fall kein Problem. Dann ist endlich ALLES raus und dann sehen wir weiter.

Ich bin einfach nur fertig und möchte das das alles ein Ende hat.

Zusammenbruch

Donnerstag, 08. Juni 

Wie zu erwarten kam, früher als gedacht, dass was kommen muss. Der totale Zusammenbruch.

Mir ging es ja schon die letzten Wochen nicht wirklich gut, um es mal „nett“ zu formulieren… Schlaf habe ich über einen echt langen Zeitraum kaum mehr bekommen. Die letzten Tage dann gar nicht mehr, trotz Medikamente. Meine körperlichen Symptome sind geblieben und auch stetig schlechter geworden. Donnerstag hatte ich dann einen Termin beim Neurologen. Der war sehr gestresst,… Ich konnte nicht wirklich reden und sagen was los ist. Er gab mir keinen „Raum“ dafür. Aber meine Medikation hat er total umgeworfen. Aber OHNE das mit mir zu besprechen. Auch auf Nachfragen von mir, gab es keine Antwort. Als die Sprechstundenhilfe mir dann den neuen Mediplan gab, bin ich echt hinten rüber gefallen. Die 2 wichtigsten Medikamente für mich, hat er raus genommen. Kein „ausschleichen“!!! Zack- einfach weg. Die neuen Medikamente kenne ich, hatte ich schon einige Jahre und sind mir nicht bekommen. Ich also gesagt, das ich das so nicht machen kann. Ja, sie würde das mit dem Arzt besprechen und mir das dann alles zuschicken. Ach so, und ein paar Globuli gab`s noch für die Nerven (Wie der Herr Doktor das so schön ausdrückte). Ich völlig ungläubig mit meinem Mann aus der Praxis raus, erstmal nen Kaffee trinken. Ich erzählte ihm dann was los war und er sagte nur:“ Wir rufen jetzt Dr. R. an!“. Hab ich ohne Wiederstand zu leisten hingenommen. Ich habe geweint vor Erschöpfung… Wenn man nicht mehr schläft, nicht mehr zur Ruhe kommt, dann kann man einfach irgendwann nicht mehr. Und dieser Punkt war an dem Tag erreicht! Zum Hausarzt (ein wirklich, wirklich, wirklich richtig guter, der mich schon über 16 Jahre kennt), konnten wir direkt. Gut Wartezeit war lang, aber mein Mann hatte den Tag Urlaub und die Kids waren versorgt, sodass ich ohne Druck, warten konnte. Nach gut 2 Stunden kam er dann ins Behandlungszimmer.

Hallo Frau Fine, Guten Tag!

Ich wollte Antworten, ein einfaches „Hallo“… Doch da kam NIX!!! Nix, nix, nix… Nicht ein Wort konnte ich sprechen. Aber die Tränen liefen. Dann bin ich im Stuhl zusammen gesackt. Kam mir vor wie in Watte gepackt. Hab kaum was verstanden, hab gesehen das er spricht, aber die Wörter nicht verstanden. Nervenzusammenbruch!

Versuchen Sie einfach irgendwo anzufangen. Wir haben Zeit. ich hetze Sie nicht! Einfach versuchen zu sprechen!

Ja und das habe ich auch gemacht. Hat was gedauert, aber irgendwann ging es. Stück für Stück. Habe von den letzten Wochen erzählt. Von dem nicht schlafen können, von dem versauten Termin beim Neurologen und den Globuli und dann ist mir mein Trauma rausgeplatzt. Alles natürlich NICHT in richtiger Reihenfolge aber gut,…

Ich nehme das jetzt in die Hand!!! Die Medikamente bleiben wie sie waren. Hier wird gar nichts von jetzt auf gleich umgestellt! Und ich möchte ihnen anbieten, dass sie heute Abend, NACH der Sprechstunde nochmal kommen und wir mit ihrem Mann in Ruhe reden. Das möchte ich nicht machen, wenn hier soviel los ist. Frau W. kann sie anrufen, wenn der letzte Patient gegangen ist und dann kommen sie zum Gespräch. Sollen wir das machen?

Ja! Das sollten wir. Ich konnte nicht mehr und das war jetzt einfach der richtige Zeitpunkt. 

Um kurz vor acht waren wir also wieder in der Praxis und um halb zehn draussen. Es war anstrengend und ich hatte, und habe immer noch wahnsinnige Angst. Aber es war auch gut. Ich habe um Schlaf gefleht. Habe gefleht, dass das alles aufhören soll, bin wohl abgedriftet und fast umgekippt,… Gab erstmal ne ordentliche Portion Valium. Und selbst die hat nochmal 2 Stunden gedauert (trotz normaler Abendmedikation zusätzlich) bis sie gewirkt hat. Aber ich habe geschlafen. Ganze 4 Stunden am Stück, tief und fest, ohne Flashbacks und Alpträume!!!

Er hat dann nochmal gesagt, das er jetzt einen Neurologen für mich klar macht. Ein Kollege, mit dem er viel zusammen arbeitet. Dann kann ich darauf vertrauen! Ach es wurde noch soviel geredet, das bekomme ich gar nicht alles auf die Kette. Das wichtigste für mich war aber, das mein Hausarzt sagte, das er mir glaubt und das er mich nicht im Stich lässt, sondern alles tut um mir zu helfen. Was für ihn, mit dem Trauma Hintergrund jetzt noch wichtiger ist aber auch einfacher einzuordnen ist. Er versteht jetzt viel Dinge besser,…

Gestern Morgen um zehn ging`s Telefon,… Montag (also übermorgen) 16.30 Uhr, Termin beim neuen Neurologen!

Nicht so dolle

 

Ich kann nicht mehr ich will nicht mehr, der Wunsch zu sterben ist übermächtig. Ich fühle mich so schrecklich schrecklich allein. Niemand sieht wie schlecht es mir geht. Niemand interessiert sich für mich. Wofür also noch leben? Das ist auch keine Leben was ich da führe… Warum hilft mir denn niemand. Bitte bitte hilf mir doch einer.  ICH KANN NICHT MEHR!!!

Das beschreibt meinen Zustand der letzten Tage (insbesondere des langen Wochenendes) sehr deutlich. Mir geht es derzeit echt mega beschissen. Letzte Woche Freitag hab ich die Große zum Training gefahren. Mir ging es den ganzen Tag schon irgendwie nicht so gut. Während ich gewartet habe, wurde meine Hand taub. Ganz plötzlich. Hat erst so komisch gezuckt und gezittert und dann konnte ich sie nicht mehr öffnen. Wollte aber dennoch nach Hause fahren. Der Trainer (der, mit dem ich auch die Woche zuvor gesprochen habe) hat gemerkt das was nicht stimmt… Dachte mir, lass ihn mal als erster vom Parkplatz fahren, aber denkste… Ich also irgendwie los. Er hinter uns her. Ich rechts ran,… (dachte mir, tu ich mal so als ob ich in der Handtasche wühlen würde…) er auch rechts ran. Tür auf. Ein Blick. „Du steigst jetzt mit XX. bei mir ein. Ich bringe euch nach Hause und nehme deinen Mann wieder mit, damit er das Auto holen kann!“ Ich habe versucht zu „verhandeln“. Habe beschönigt. Ohne Erfolg. Jetzt versinke ich seit Tagen, vor Scham im Bode. Ich habe bei ihm im Auto gesessen und geheult. Ich trau mich nicht mehr die Große zum Training zu bringen… Mir ist das alles so so so peinlich. Der Arm war noch gute 3 Stunden lahm. Nix ging mehr. Schlafen ist auch nicht. Ich bin so erschöpft. Ich kann einfach nicht mehr. Morgen hab ich einen Termin beim Neurologen. Permanentes Kribbeln. Ich seh` nicht scharf. Mein Kopf tut weh. Mir fällt oft was aus der Hand… Naja, abwarten.

Gespräch

Ich hatte ja nun echt Angst vor dem Gespräch, letzte Woche Freitag… Und da ich meist in solchen Situationen, wo mir der Kopf vor lauter „Fülle“ zu platzen droht, kein graden Satz heraus bekomme, und nur verlegen rumstammele, hab ich alles das, was ich erzählen wollte aufgeschrieben. Knappe 6 Seiten. Das „Gröbste“ halt. War aber für den Anfang gar nicht nötig.

Da das Wetter echt schön war und wir uns am See treffen wollten, bin ich locker 1 1/2 Stunden eher da gewesen. Habe mich auf eine Bank in die Sonne gesetzt, Musik gehört, auf`s Wasser gestarrt und versucht ruhig zu werden. Versucht zu genießen. Gut, das mit dem Genuss hat nicht ganz geklappt. Mit dem Ruhig werden auch nicht. Im Gegenteil. Als er kam, war seine erste Frage:“ Wie lange sitzt du denn schon hier?“ *Schulter-zuck* „So schlimm?“ *Kopf-Nick* …

Was wirklich gut war, war das er einfach Fragen stellte, ich aber nicht das Gefühl hatte, direkt antworten zu müssen. Ich fragte dann laut:“ Was mach ich hier eigentlich?“ Er, etwas irritiert, aber doch schnell verstehend:“ Wir können auch einfach hier sitzen und die Sonne genießen. Kannst du das? Also Sachen genießen?“ *Kopf-schüttel* „H-Hm, verstehe. Was ist los? Versuch einfach zu sagen was los ist. Ist zuhause alles ok?“ *Nicken* *Gestammel*…. „Ähm ich habe, weil ich so schlecht reden kann, alles aufgeschrieben. Da sind aber auch Fragen drin. Bitte beantworte sie. Das wäre für mich echt wichtig.“ Dann habe ich den Brief rausgeholt und er hat angefangen zu lesen. Ich habe weggeschaut und eine Zigarette nach der anderen geraucht. Als er bei der letzten Seite war -Ich hab das umblättern „gezählt“-, und damit an dem schlimmsten Punkt, hat er hörbar scharf eingeatmet, Luft angehalten und gefühlte Ewigkeiten später, langsam raus gelassen. „Noch so jemandem, dem das passiert ist!“… *Schluck*… „Sei dir sicher, das bleibt unter uns! Es weiß auch niemand das ich hier bin. Das geht auch keinen was an.“ Er war betroffen. Getroffen. Ich hatte sofort ein schlechtes Gewissen. Er hinterfragte vieles. Sagte vieles. Ich versuchte zu antworten. Hatte Angst weinen zu müssen. Er merkte es… „Lass es raus. Das hilft. Es ist Okay!!!“ *Kopf-schüttel* Ich kann einfach nicht weinen. Nicht deswegen. Wir redeten viel. Ich versuchte zu erklären. Meine Nöte, Sorgen und Ängste. „Wie bekomme ich das nur in deinen Kopf, das für mich alles gut ist. Das ich Verständnis habe und mich nicht von dir hintergangen oder im Stich gelassen fühle. Du bist in meinen Augen nicht unzuverlässig! Du bist krank und kannst deswegen einfach nicht immer und das verstehe ich!“ *Schluck* “ Aber WARUM hast du Verständnis für mich? Ich bin es doch nicht wert!!!“… „WEIL DU MIR NICHT EGAL BIST!!!!!“ Dieser Blick, als er das sagte… Kann ich nicht beschreiben. Er war ehrlich! Ja, dass beschreibt es wohl am besten.

Ich schaffe es nicht alles wiederzugeben. Fakt ist aber, es war gut. Und wird nicht das letzte Gespräch gewesen sein.

 

Ein paar Tage später schrieb er mir:“ Ich glaube dir. Aber etwas belastet mich das Wissen schon… Aber das ist ok!“

Schon hatte ich wieder ein schlechtes Gewissen… „Ändert sich jetzt doch alles zwischen uns?“ … „NEIN! Natürlich nicht!“ Ich denke ich brauche kein schlechtes Gewissen haben sonder sollte es so annehmen wie es ist. Wäre es nicht schlimmer, wenn es ihm total egal gewesen wäre? Ihn kalt gelassen hätte? Klar, ich möchte nicht das es ihm wegen mir schlecht geht, aber ich schätze ihn so ein, das er mit dieser „Belastung“ umgehen kann… So zeigt er mir, das ich ihm wirklich nicht egal bin. Und das ist ein schönes Gefühl! Er meinte noch, das er KEIN Mensch mit „Helfer-Syndrom“ ist 😉 Auch DAS zeigt mir, das ich ihm wichtig bin!

Okay

Das Gespräch war okay. Nein, mehr als Okay. Es war gut. Tat gut. Tat MIR gut. Ich muss es jetzt erstmal sacken lassen und ein Stück weit verarbeiten. Dann kann ich es hier etwas genauer wiedergeben… Der, für mich, wichtigste Satz war aber

DU bist MIR nicht egal!!!

Deshalb sitze ich hier mit dir.

Soviel zu meinem alles geliebten „Warum?“…

Ich bin sehr müde und muss, wie gesagt, das alles erstmal „sacken lassen“ und mir ein paar Gedanken dazu machen. Fakt ist, wir werden uns noch mal treffen und weiter reden.

Da ist wirklich jemand, dem ich wohl wichtig bin….. Aber…. dieses kleine Stimmchen in meinem Kopf will das noch nicht glauben….

Grrr,… WIE kann ich dir nur klar machen, das du mir wichtig bist? Wie krieg ich diese Gedanken aus deinem Kopf?

Tja,… wenn ich das wüsste…

Angst vor dem Gespräch

Was soll schon groß passieren? Außer das er mir nicht glaubt. Mich für verrückt erklärt, nicht kommt wie versprochen, mich mit meinen leeren Versprechen konfrontiert, mich auslacht… Diese Liste lässt sich beliebig erweitern. In meinem Kopf sind noch viele viele Möglichkeiten.

Er trifft sich mit dir, weil es ihm wichtig ist! Ja ne,… Ist klar *Lachanfall* . Sonst noch was?

Hab Vertrauen!!! *Hust* Wenn das so einfach wäre,….

Ich habe ANGST!!! Eine verflucht-scheiß-kack-fucking-A N G S T ! ! !